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Verbände-Netzwerktreffen: Sichere Lebensmittel- versorgung ist keine Selbstverständlichkeit

„Was ist uns unsere Lebensmittelversorgung wert?“

Diese Frage stand im Zentrum des diesjährigen Netzwerktreffens, das am Mittwoch, 29. April 2026, über die Bühne ging. Dabei kamen mehr als 80 hochrangige Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wirtschaft sowie aus den unterschiedlichen land- und forstwirtschaftlichen Verbänden zusammen. Sie diskutierten über geopolitische Unsicherheiten, den steigenden Wettbewerbsdruck und die strategische Bedeutung einer sicheren Lebensmittelversorgung.

Alle Hebel für resiliente Wertschöpfungsketten nutzen

„Ein Land, das sich nicht selbst ernähren kann, ist machtpolitisch und militärisch erpressbar.“

Das machte Robert Pichler, Obmann von Wirtschaften am Land, in seiner Begrüßung deutlich. Angesichts zunehmender Konfliktherde brauche Österreich wettbewerbsfähige, krisenfeste und regional verankerte Land- und Lebensmittelketten. Starke ländliche Räume sind eine zentrale Voraussetzung für sichere Versorgung und resiliente Wertschöpfungsketten.

Impulse für den fachlichen Austausch gaben Bundesminister Mag. Norbert Totschnig, MSc, ObstdG Mag. (FH) Georg Podlipny vom Bundesministerium für Landesverteidigung sowie WIFO-Direktor Univ.-Prof. MMag. Gabriel Felbermayr, PhD. Sie machten deutlich, dass eine sichere Versorgung nicht erst in Krisenzeiten beginnt, sondern verlässliche Rahmenbedingungen, funktionierende Betriebe und belastbare Strukturen entlang der gesamten Wertschöpfungskette voraussetzt.

Diese Gedanken griff Bundesminister Totschnig in seinem Impulsvortrag auf: Österreich sei bei der Lebensmittelversorgung grundsätzlich gut aufgestellt, diese Ausgangslage dürfe jedoch nicht als selbstverständlich betrachtet werden. Entscheidend seien vielmehr weniger Bürokratie, faire Wettbewerbsbedingungen und verlässliche Rahmenbedingungen für die land- und forstwirtschaftlichen Betriebe.

Versorgungssicherheit als strategische Aufgabe

ObstdG Mag. (FH) Georg Podlipny stellte die Versorgungssicherheit, insbesondere die Lebensmittelversorgung, als zentrale Voraussetzung für die Einsatzfähigkeit des Bundesheeres dar und betonte ihre hohe sicherheitspolitische Relevanz. Versorgungssicherheit müsse stets international gedacht werden. Globale Entwicklungen und große Akteure wie die USA, China oder die NATO beeinflussen Handelsketten und damit auch die Versorgung in Österreich.

Dabei können Konflikte in einer Region Auswirkungen auf völlig andere Teile der Welt haben, da Lieferketten und Handelswege eng miteinander verknüpft sind. Neu hinzu kommt, dass Kriege nicht nur physisch stattfinden, sondern sich auch im digitalen Raum abspielen, etwa in Form hybrider Kriegsführung. Mögliche technische Störungen, hervorgerufen durch hybriden Krieg, können zu gestörten Transportwegen oder unterbrochenen Lieferketten führen.

Zudem wird die Weltordnung zunehmend unsicherer, unberechenbarer und imperialistischer. Gleichzeitig gewinnt das „Recht des Stärkeren“ an Bedeutung, wodurch Kooperationen und verlässliche Partnerschaften zukünftig immer wichtiger werden. Zusammenfassend ist die Versorgungssicherheit mit Lebensmitteln somit als wesentlicher Teil der umfassenden Landesverteidigung zu verstehen.

Starke Landwirtschaft braucht Wettbewerbsfähigkeit

Herr Professor Felbermayr zeigte, dass aktuelle Störungen globaler Lieferketten die Versorgungssicherheit mit Lebensmitteln gefährden können. Besonders maritime Engpässe verdeutlichen die Verwundbarkeit: Durch den Suezkanal laufen statt rund 7 Mio. Tonnen derzeit nur etwa 1 Mio. Tonnen, wodurch Lieferungen etwa aus China umgeleitet werden müssen, was Zeit, Kosten und Risiken erhöht.

Auch die Straße von Hormus bleibt kritisch. Sowohl der globale als auch der österreichische Supply Chain Pressure Index zeigen anhaltenden Stress in den Lieferketten. Zusätzlich belasten Energiepreisschocks die Lebensmittelkette, insbesondere durch den großen Erdgaspreisabstand zwischen Europa und den USA.

Da die USA Nettoexporteur sind, wirken sich geopolitische Konflikte dort kaum auf Preise aus, während Europa Wettbewerbsnachteile hat, weil Energie entlang der gesamten Kette ein zentraler Kostenfaktor ist. Gleichzeitig besteht auch ein strukturelles Problem hinsichtlich der Produktivität: Österreich liegt beim Wachstum unter dem EU-Durchschnitt, was die Wettbewerbsfähigkeit schwächt.

Allerdings zeigen Input-Output-Daten, dass Lebensmittel einen der größten Beiträge zur Wertschöpfung bzw. zum BIP leisten. Auch waren Lebensmittel in Österreich nicht der Haupttreiber der Teuerung. Abschließend betonte Felbermayr die Bedeutung von Krisenmonitoringsystemen, die datenbasiert Schwachstellen identifizieren und im Krisenfall gezieltes Handeln ermöglichen.

Als Fazit der Diskussion mit den Vertreterinnen und Vertretern der agrarischen Verbände lässt sich festhalten, dass die heimische Land- und Lebensmittelwirtschaft einen zentralen Beitrag zur Versorgung der Bevölkerung, zur Stabilität ländlicher Räume und zur Resilienz Österreichs leistet.

Somit gilt: Eine sichere Lebensmittelversorgung ist keine Selbstverständlichkeit, sondern braucht vorausschauende Politik, starke, wettbewerbsfähige Betriebe und stabile ländliche Räume.

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