Regio-Check 2026

Mehr Indien als Österreich im Gurkenregal?

Bei Essiggurken bleibt die wichtigste Frage oft unbeantwortet: Woher kommen die Gurken im Glas? Ein Regio-Check von Wirtschaften am Land zeigt deutliche Lücken bei der Herkunftskennzeichnung.

Bei 57,1 % der 98 geprüften Produkte war am Etikett keine klare Herkunft der Gurken erkennbar. Bei Eigenmarken lag dieser Anteil sogar bei 77,5 %.
98 Produkte wurden in sechs Handelsketten überprüft.
57,1 % hatten keine erkennbare Herkunftsangabe am Etikett.
9 Eigenmarken enthielten laut Rückmeldung des Handels Gurken aus Indien.

Geprüft wurden Anfang Juni 2026 Essiggurken, Cornichons und Salzgurken bei Billa, Billa Plus, SPAR, Lidl, Hofer, Penny und Nah&Frisch. Die Stichprobe ist eine Momentaufnahme des vorgefundenen Sortiments.

Eigenmarken besonders intransparent

Von 40 geprüften Eigenmarken waren nur fünf am Etikett eindeutig als Produkte mit österreichischen Gurken erkennbar. Bei 31 Produkten fehlte eine klare Herkunftsangabe.

Bei den 31 Eigenmarken ohne Herkunftsangabe fragte Wirtschaften am Land direkt beim Handel nach. Das Ergebnis:

  • Bei 9 Produkten wurden Gurken aus Indien genannt.
  • Bei 10 Produkten nannten Händler mehrere mögliche Herkunftsländer - in Einzelfällen bis zu 15.
  • Bei 2 Produkten gab es keine Rückmeldung.

Damit ließ sich bei insgesamt zwölf Produkten auch nach der Nachfrage keine eindeutige, produktbezogene Herkunft feststellen.

Österreich am Etikett: nur fünf Eigenmarken

9 Produkte mit Gurken aus Indien laut Rückmeldung des Handels
5 Produkte am Etikett klar als Eigenmarken mit österreichischen Gurken erkennbar

Der Vergleich zeigt vor allem eines: Konsumenten können die Herkunft bei vielen Eigenmarken nicht direkt am Glas nachvollziehen.

Die heimische Produktion steht unter Druck

Hinter jedem Glas Essiggurken steckt viel Handarbeit. Gleichzeitig werden Produktion und Anbaufläche in Österreich kleiner.

2.800 Arbeitsstunden fallen pro Hektar Essiggurken an.
56 % betrug der österreichische Selbstversorgungsgrad 2025.
104 ha Anbaufläche bleiben 2026 - nach 118 Hektar im Jahr 2025.

Heimische Betriebe zahlen inklusive Lohnnebenkosten 19,35 Euro pro Arbeitsstunde. Das sind mehr als fünf Euro über dem deutschen Niveau. Bei rund 2.800 Arbeitsstunden entsteht dadurch gegenüber Deutschland ein Lohnkostennachteil von mindestens 14.000 Euro je Hektar.

Warum klare Herkunft zählt

  • Sie ermöglicht eine bewusste Kaufentscheidung.
  • Sie macht unterschiedliche Produktions- und Sozialstandards sichtbar.
  • Sie stärkt regionale Wertschöpfung und Versorgungssicherheit.
  • Sie schafft fairere Wettbewerbsbedingungen für heimische Betriebe.

Fazit

Wer heimische Gurken kaufen möchte, muss ihre Herkunft erkennen können. Klare und leicht verständliche Herkunftsangaben sind deshalb entscheidend - für Konsumenten, für faire Wettbewerbsbedingungen und für den Erhalt der österreichischen Produktion.

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